…und tschüss!

Morgens um Viertel vor sechs klingelt der Wecker. Wir geniessen die letzten Sekunden in unserem eigenen Bett, das uns fehlen wird. Schnell erledigen wir noch ein paar Sachen im Haus, und dann fahren uns Danis Eltern nach Biel an den Bahnhof. Am Flughafen Zürich sind wir froh, einen Teil unseres Gepäcks schon mal loszuwerden, und dass das Einchecken ohne Probleme über die Bühne geht. Statt der bei Singapore Airlines erlaubten 20 Kilogramm wiegen unsere beiden Taschen fast 23 Kilos. Einzig beim Handgepäck weist uns die Dame am Schalter darauf hin, dass es ein Kilo zu schwer ist. Nach einer kurzen Wartezeit gehen wir an Bord des A380. Als Economy-Passagiere fliegen wir im “Parterre”. Im ersten Stock befinden sich die Business- und First Class. Sogar Zimmer mit Bett und eigenem Badezimmer soll es dort geben. Sollten wir eines Tages im Euromillions gewinnen, werden wir uns davon überzeugen können! Vorerst besteht unser Luxus darin, dass wir uns zwei Sitze beim Notausgang reserviert haben und so unsere Beine ausstrecken können. Wir plaudern ein wenig mit unserem Sitznachbarn. Er wird eine Zeitlang für Mövenpick arbeiten, das in Singapur zwei Restaurants führt und ein drittes eröffnen will. Vielleicht treffen wir ihn im Juni wieder, wenn wir in einem der Marché-Restaurants vorbeischauen. Um Viertel nach elf hebt der Vogel ab Richtung Singapur, wo wir elf Stunden später eintreffen werden.

Hello again, Singapore

Etwas früher als geplant, landen wir Morgens um fast halb sechs und mit einer 7-stündigen Zeitverschiebung in Singapur. Geschlafen haben wir kaum, nur ein wenig gedöst. In einem kleinen Bus werden wir ins Hotel Royal@Queens gebracht. Da unser Zimmer erst ab Mittag verfügbar ist, müssen wir uns die Zeit irgendwie totschlagen. So schlendern wir herum, trinken etwas und schauen zu, wie die Stadt langsam zum Leben erwacht. Als die Geschäfte um zehn Uhr öffnen, herrscht mehr Betrieb. Die Zeit vergeht nur langsam. Wir hätten Lust auf eine Dusche, auf etwas leichtere Kleidung und uns hinzulegen. Endlich ist es Mittag, und wir können unser Zimmer im 11. Stock beziehen. Dort bleiben wir vorerst eine Weile. Da wir Singapur bereits vor fünf Jahren vor und nach unserer Australien-Reise besucht haben, hält sich unsere Entdeckungslust in Grenzen. Erst am späteren Nachmittag gehen wir nochmals nach draussen und suchen uns ein Restaurant. Wir entscheiden uns für ein thailändisches Abendessen. Anstelle des bestellten Beefs erhält Dani jedoch Chicken und mein als “mild” beschriebenes Gemüse-Curry ist so scharf, dass mein Kopf schon bald die Farbe meines roten T-Shirts annimmt. Schon früh sind wir wieder im Hotel und freuen uns auf den wohlverdienten Schlaf.

Auf der Suche

Wir holen den verpassten Schlaf von letzter Nacht nach und verlassen das Hotel deshalb erst am Mittag. Auf unserem Programm stehen der Besuch der 200 Meter hoch gelegenen Aussichtsplattform des neuen Marina Bay Sands Gebäudes, von wo man einen atemberaubenden Blick auf die Innenstadt und die Mündung des Singapore Rivers haben soll, sowie eines neuen botanischen Gartens. Wir staunen, wie viele neue Gebäude seit unserem letzten Besuch entstanden sind und den Baustellen nach zu beurteilen, noch entstehen werden. Auch das Marina Bay Sands mit Hotel, Casino und einer Shopping Mall gehören dazu. Lange suchen wir nach dem Weg zur Aussichtsplattform. Schliesslich besteigen wir einen Lift und fahren in den 55. Stock. Dort wird uns allerdings gesagt, dass dieser Zugang nur für Hotelgäste ist, und wir deshalb einen anderen Weg nehmen müssen. Dabei erfahren wir auch, dass der Eintritt auf die Plattform etwa 15 Franken pro Person kostet. Wir verschieben deshalb den Besuch auf Juni, wenn wir ein Stopover-Package mit Gutscheinen für diverse Aktivitäten buchen werden, in der Hoffnung, dass auch ein Gratis- oder zumindest verbilligter Eintritt für diese Attraktion inbegriffen ist. Also entscheiden wir uns, den neuen botanischen Garten “Gardens by the bay” zu besuchen. Nach langem Suchen finden wir endlich eine Unterführung dorthin, aber diese ist geschlossen. So geht die Suche weiter nach einer Brücke. Als wir diese endlich gefunden haben und unserem Ziel nahe sind, entdecken wir ein Schild, auf welchem steht, dass der Garten erst im Juni eröffnet wird. Das hätte im kürzlich erschienen Bericht der Sonntagszeitung über Singapur erwähnt werden sollen! So spazieren wir dem Fluss entlang und weiter durch den Park des Fort Cannings, einer ehemaligen Festung, zurück zu unserem Hotel. Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machen uns zu schaffen. Es sind ja auch rund 30 Grad Temperaturunterschied zur Schweiz. Wir hoffen auf ein kurzes Gewitter, aber die dunklen Wolken ziehen unverrichteter Dinge vorüber. Abendessen gibts auf meinen Wunsch im Pizza Hut. Ich liebe diese Pizzas, die mit ihrem dicken Teig im Blech serviert werden.

Goodbye, Singapore

Morgens um drei hat es gemäss Dani geregnet. Ich habe nichts davon mitbekommen, meine Oropax haben dicht gehalten. Am Morgen ist es allerdings wieder schön und heiss. Den halben Tag verbringen wir im Hotel mit schlafen und packen. Am Nachmittag nehmen wir die Orchard Road, einer der Haupteinkaufsstrassen, unter die Füsse. Es herrscht dichtes Gedränge und viel Verkehr. Ich glaube, jeder der 5.2 Millionen Bewohner Singapurs, der nicht gerade in einem Shop, einem Restaurant oder auf einer Baustelle arbeitet, ist unterwegs und ist vor allem am Shoppen. Wir kämpfen uns durch die Menschenmassen und stellen einmal mehr fest, dass wir keine Stadtmenschen sind. In den meisten Läden herrscht Ausverkauf. Zudem wird das Chinesische Neujahr gefeiert, so dass viele Geschäfte schön geschmückt sind. Am späteren Nachmittag sind wir wieder zurück im Hotel. Ein Shuttle-Bus bringt uns zum Flughafen. Das Einchecken geht wiederum problemlos über die Bühne. Wir machen noch einen Rundgang durch den Flughafen. Der Changi Airport von Singapur ist sehr schön und gross. Da kann Dubai auf keinen Fall mithalten. Um acht Uhr Abends hebt unser Flieger, eine Boeing 777-200, ab Richtung Christchurch. Neuseeland – wir kommen!

Kia Ora

Nicht geschlafen, zu viel gegessen, weitere fünf Stunden Zeitverschiebung, so dass es nun zwölf Stunden sind, so lautet das Fazit dieses Fluges. Der Anflug über die Südinsel Neuseelands ist sehr schön und der Kontrast der schneebedeckten Alpen, den goldfarbenen Stränden sowie dem blauen Meer beeindruckend. Um Viertel vor elf landen wir in Christchurch. Bis wir allerdings im Shuttle-Bus sitzen, wird noch eine geschlagene Stunde vergehen. Zuerst dauert es lange, bis wir aus dem Flugzeug aussteigen können. Dann heisst es anstehen für die Passkontrolle. Gerade mal drei Schalter sind geöffnet. Als wir endlich an der Reihe sind, müssen wir noch Fragen beantworten wie, was wir in Neuseeland machen werden, wie lange wir bleiben, bei wem wir unseren Camper mieten usw. Dann kommen wir nochmals an einen Checkpoint. Zum Schutz vor Schädlingen und Pflanzenkrankheiten verbietet Neuseeland die Einfuhr vieler tierischer und pflanzlicher Produkte. Das heisst, dass beispielsweise keine Lebensmittel importiert werden dürfen und die Schuhe sauber sein müssen. Um dies zu kontrollieren, werden auch Hunde eingesetzt. So patrouilliert ein Sicherheitsbeamter mit einem süssen Vierbeiner zwischen den Einreisenden. Der Hund umkreist ein paar Mal eine Frau, und bei einem Mann setzt er sich gleich hin. Beide müssen ihre Taschen durchsuchen lassen. Ob allerdings wirklich etwas Essbares gefunden wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Da wir unsere Schuhe natürlich bereits in Singapur getragen haben, kreuzen wir vorsichtshalber auf dem Einreiseformular an, dass es Erde an unseren Schuhen haben könnte. So werden auch noch diese inspiziert, dann allerdings als problemlos eingestuft. Und zu guter Letzt wird natürlich noch das ganze Gepäck durchleuchtet. Endlich sitzen wir im Shuttle-Bus, den wir bereits über das Internet gebucht hatten. Der Chauffeur ist sehr freundlich und erzählt uns einiges über die Stadt. Natürlich wollen wir wissen, ob es heute bereits ein Erdbeben gegeben hat. Er verneint, meint aber auch, dass man den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben solle. Dann beziehen wir unser bereits gebuchtes Zimmer im Rosewood Court Motel in Christchurch. Nachdem wir das Nötigste ausgepackt haben, wollen wir Richtung Stadt marschieren. Dort, wo sich unser Motel befindet, sieht man fast keine Beschädigungen. Als wir allerdings dem Fluss Avon entlang spazieren, können wir uns bereits ein erstes Bild von der Kraft eines Erdbebens machen. Auf den Trottoirs ist der Teer aufgerissen und zum Teil hat es tiefe Löcher. Dann gehen wir Richtung Innenstadt, kommen aber schon bald nicht mehr weiter. Ein grosser Teil ist abgesperrt. Wir versuchen es von einer anderen Richtung, aber auch hier bietet sich uns das gleiche Bild. Nur Abschrankungen. Und keine Menschenseele. Ein gespenstisches Bild. Ich komme mir vor wie in einem dieser Katastrophenfilme, wo die Welt fast untergegangen ist und nur zwei Leute überlebt haben. Nach einer Weile gehen wir zurück ins Hotel. Wir fragen uns, wo wir heute Abend essen werden, wo es doch fast keine Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten gibt. Das Besitzerpaar des Motels empfiehlt uns ein thailändisches Restaurant in der Nähe. Dieses ist jedoch geschlossen, aber gleich nebenan gibt es ein indisches. Dani wählt ein Lamm-Curry. Als Schärfegrad wünscht er medium, und das ist bereits scharf. Ich wähle ein “mildes” Gemüsecurry. Dieses Mal ist es wirklich mild, und schmeckt hervorragend.

Ein Bild der Zerstörung

Heute wollen wir noch einmal versuchen, ins Zentrum von Christchurch zu gelangen, um doch noch etwas von dieser Stadt zu sehen. Christchurch ist übrigens die grösste Stadt der Südinsel und die älteste Stadt Neuseelands. Sie wurde nach Christ Church, der berühmten Kathedrale und dem bekannten College von Oxford benannt, welches auch als Drehort für die Harry Potter-Filme diente. Bereits auf dem Weg ins Zentrum erschüttern uns wiederum die Schäden des Erdbebens. Einfamilienhäuser, an denen eine Notiz klebt, dass das Gebäude geprüft wurde und nicht mehr betreten werden darf, Geschäftshäuser mit kaputten Mauern, das riesige Crown Plaza Hotel, das aussieht, als wäre es halbiert worden. Beim Arts Centre, einem alten Backsteingebäude, wurde der Turm am Boden wieder aufgebaut und wartet darauf, wieder auf das Gebäude gesetzt zu werden. Der ganze Cathedral Square ist gesperrt. Der Neuaufbau hat nach fast einem Jahr noch immer nicht begonnen, noch immer sind vor allem Abbrucharbeiten im Gange. Einen Teil dieses Geländes könnte man auf eigenes Risiko betreten, aber wir lassen es sein. Die Kathedrale ist nicht zu sehen. In einer Zeitschrift habe ich ein Bild von ihr nach dem Erdbeben vom 22. Februar 2011 gesehen. Sie steht schief und ist massiv beschädigt. So schade für ein solch schönes Bauwerk! Wo wir hinschauen, sind man nur Ruinen und beschädigte Häuser. Als wir eine Weile einer riesigen Maschine zusehen, die die Reste eines Gebäudes demoliert, spüren wir eine kleine Bodenwelle. Wir vermuten ein Mini-Erdbeben, obwohl später auf der Homepage, auf welcher alle Beben in Neuseeland aufgezeichnet werden, nichts vermerkt sein wird. Ein kleiner Teil der Einkaufsstrasse wurde in der Cashel Mall wieder aufgebaut. Und zwar sind in Schiffscontainern Geschäfte und Restaurants zu finden, was sehr speziell aussieht. Nach so vielen schrecklichen Bildern, machen wir einen Abstecher in den botanischen Garten. Dieser wurde 1863 gegründet und ist auf einer Fläche von 30 Hektaren eine grüne Oase. Zudem grenzt er an den Hagley Park, nochmals einer riesigen Grünfläche. Wir schlendern durch den Garten und sehen uns die Blumen und Bäume an. Ein komisches Gefühl, die Schweiz vor fünf Tagen im Winter bei null Grad verlassen zu haben und sich hier mitten im Sommer wieder zu finden, inmitten solcher Blütenpracht. Nachdem wir wieder Energie getankt haben, gehen wir in ein kleines Einkaufszentrum. Eine Verkäuferin bietet uns einen Schnitz frischen Pfirsich an, und das im Januar! Wir beschliessen, heute Abend in unserem Zimmer zu kochen, das eine kleine Kochecke hat, und kaufen uns Teigwaren und Fertig-Sauce. Zudem entdecken wir Lamingtons. Dies ist ein Gebäck aus weichem Biskuit mit Schokolade- und Kokosraspel-Überzug, das wir in Australien kennengelernt haben. Wir kaufen eine Packung und geniessen sie auf dem Vorplatz unseres Zimmers mit einer Tasse Tee. Den Tag beschliessen wir ruhig, immer noch mit den Bildern der Zerstörung im Kopf.

Sommer im Winter

Auch dieser Tag begrüsst uns mit strahlendem Sonnenschein. Der einzige Unterschied zu den letzten zwei Tagen ist, dass der Wind, welcher die Temperaturen nicht zu sehr ansteigen liess, nachgelassen hat. So wird es heute heiss. Es ist Sommer im Januar! Heute wollen wir ein paar Läden besuchen, um zu entscheiden, wo wir morgen einkaufen sollen, wenn wir den Camper erhalten. Zuerst spazieren wir zu einem Geschäft, das in der Nähe unseres Motels liegt, und das Camping-Ausrüstungen anbieten sollte. Dieses ist jedoch geschlossen, da das Gebäude nebenan vom Erdbeben beschädigt und mittlerweile abgerissen wurde. So spazieren wir weiter durch das Quartier, sehen, dass auch hier Schäden entstanden sind, und nehmen dann den Bus, welcher uns zur Merivale Mall führt. Dort gibt es zwar einen Supermarkt und einige Läden, aber alles in bescheidenem Masse. Deshalb gehen wir weiter. Wiederum spazieren wir durch Wohnquartiere, erhalten einen Eindruck, wie die Neuseeländer leben, aber auch wieder, was das Erdbeben angerichtet hat. Nach einiger Zeit erreichen wir die Northland Mall. Dort gibt es alles, was wir morgen brauchen werden: Einen grossen Supermarkt, einen Shop mit günstigen Campingstühlen und vielem mehr. Eigentlich wollten wir heute Abend in die Stadt essen geben, nachdem wir ja seit gestern wissen, dass es doch ein paar geöffnete Restaurants gibt. Aber nach den vielen Kilometern, die wir heute bereits gewandert sind, mögen wir nicht mehr. So kaufen wir uns eine Packung Mexican-Fertig-Reis und Salat. Der Bus bringt uns wieder zurück zum Motel. Wir setzen uns draussen hin, essen ein Lamington und geniessen die Sonnenstrahlen. Die Besitzerin des Motels, übrigens eine Koreanerin, bringt uns zwei frische Mango-Scheiben vorbei und plaudert mit uns. Das Leben in Neuseeland sei viel relaxter als in Korea, wo alle nur damit beschäftigt seien, möglichst viel Geld zu verdienen. So ein Leben könnten wir uns auch vorstellen. Aber vorerst begnügen wir uns mit dem Luxus, es ein halbes Jahr lang gemütlich zu nehmen.

Unser Monster-Camper

Am Morgen nehmen wir den Bus und gehen dann noch etwa zwei Kilometer zu Fuss bis zu Apollo, unserem Camper-Vermieter. Bis der ganze Papierkram erledigt ist, dauert es eine Weile. Ich ärgere mich einmal mehr, dass man bereits ein Vermögen für die Miete bezahlt und dann noch etliche Sachen zusätzlich berappen muss. Dann können wir unseren Camper in Empfang nehmen. Er ist riesig! Das haben wir ja eigentlich gewusst. Aber als er so dasteht mit 7.1 Metern Länge und einer Gesamthöhe von 2.7 Metern erschrecken wir schon. Er ist ein richtiges Haus auf vier Rädern mit Dusche, WC, Küche, Bett, Fernseher usw. Die Abnahme ist schnell gemacht, die Erklärungen sind dürftig, und schon können wir losfahren. Dani kurvt ruhig durch die Gegend, ich sitze wie auf Nadeln, da ich das Gefühl habe, die Strassen seien zu eng und unser Gefährt viel zu gross. Wir fahren gleich zum Einkaufszentrum. Und da beginnt schon das erste Problem: Wir brauchen einen Parkplatz. Ins Parkhaus können wir nicht, da dieses zu wenig hoch ist, und die Parkplätze draussen sind zu klein. Nach einiger Zeit finden wir einen Platz, das heisst wir beanspruchen gleich zwei Parkplätze. Unser Auto ist ja auch doppelt so gross wie ein normales. Wir starten einen Grosseinkauf an Essbarem und kaufen auch noch gleich zwei Campingstühle, da diejenigen, die wir mitbekommen haben, nicht sehr komfortabel sind. Es ist immer noch Ausverkauf, so dass wir sie zu einem Drittel des normalen Preises bekommen. Anschliessend fahren wir zurück zu unserem Motel und fangen mit einräumen hat. Platz, das heisst Schränke und Schubladen, hat es reichlich, so dass wir unsere Sachen problemlos verstauen können. Allerdings ist der Camper auch alles andere als sauber. Der Kühlschrank stinkt, und der Gasherd trieft vor Fett, weshalb wir eine Putzaktion einschieben. Gegen Abend beschliessen wir, in die Westfield Mall, welche im Riccarton-Aussenquartier liegt, zu fahren, um noch ein paar Sachen zu kaufen und auch gleich dort zu essen. Wieder zurück, müssen wir feststellen, dass wir nicht alles erhalten haben, was eigentlich zum Camper gehören würde. Wir werden deshalb morgen noch einmal beim Vermieter vorbei gehen müssen. Mühsam!

Die Reise beginnt

Am Morgen verstauen wir unsere letzten Sachen in unserem Camper und fahren nochmals zu unserem Vermieter. Zwei Beulen, welche wir noch entdeckt haben, werden auf dem Übernahme-Protokoll vermerkt, und wir bekommen noch das Erste-Hilfe-Set und einen Strassen-Atlas, den wir allerdings wieder zurückgeben müssen, weshalb wir die gefahrenen Strassen nicht nachzeichnen können, wie wir dies in Australien immer gemacht haben. Dann starten wir unsere Reise. Etwas ausserhalb von Christchurch fahren wir Richtung Dyers Pass. Die Strasse geht steil bergauf. Auf dem Pass angelangt, sehen wir, dass das Restaurant, welches sicherlich ein beliebtes Ausflugsziel war, wegen Erdbebenschäden geschlossen ist. Wir nehmen den Weg neben dem Restaurant, dieser ist aber schon bald wegen Steinschlag geschlossen. So überqueren wir die Strasse und gehen beim Sugarloaf Scenic Reserve hoch. Oben angelangt, befinden wir uns auf gut 400 Metern, und der Ausblickt entlockt uns ein “Wow!” Wir sehen auf das Hafenstädtchen Lyttleton herab. Es zieht sich an den Kraterrändern eines 12 Millionen alten abgesunkenen Vulkans entlang. Im 19. Jahrhundert war dieser Hafen für Tausende von Europäern das Einfallstor nach Neuseeland. Hier landeten 1850 auch jene frommen Einwanderer, die mit Sack und Pack über den beschwerlichen “Bridge Path” weiter nach Norden wanderten, um die Stadt Christchurch aufzubauen. Wir haben eine wunderbare Aussicht auf das Meer und die umliegenden Hügel. Wieder zurück beim Parkplatz, fahren wir weiter auf der Summit Road. Bald sehen wir aber ein Signal “Road closed”. Allerdings können wir noch einige Kilometer fahren, bis die Strasse dann wirklich gesperrt ist. Dort sehen wir die ersten zwei neuseeländischen Schafe – von etwas über 30 Millionen – später werden wir noch mehr sehen. Und wir werden auch Kühe sehen. Davon gibt es in Neuseeland etwa 8 Millionen. Wir setzen unsere Reise über eine andere Strasse fort. Es geht rauf und runter. Die Landschaft gleicht einer Anhöhe im Schweizer Jura. Dann fahren wir am Lake Ellesmore vorbei, dem fünftgrössten See Neuseelands, den zahlreiche Wasservögel bevölkern. Überall gibt es Abzweigungen zu Buchten. Aber erstens ist unser Motorhome nicht gemacht für enge Strassen, und zweitens haben wir unser Ziel vor Augen: Arkaroa auf der Bank Peninsula, die in den Südpazifik hinausragt. Diese Halbinsel war einst eine Insel, die vor etwa 12 Millionen Jahren circa 50 Kilometer vor der Südinsel Neuseelands entfernt im Pazifik lag. Auf dieser Insel, deren Höhen die meiste Zeit des Jahres schneebedeckt waren, befand sich ein riesiger Vulkankegel. Heute längst erloschen, fand der letzte Ausbruch vor 6 Millionen Jahren statt. Am Nachmittag haben wir die fast 100 Kilometer geschafft und treffen dort ein. Wir fahren gleich auf den Campingplatz, was eine kluge Entscheidung ist, da die grossen Plätze schon fast ausgebucht sind. Der Camping liegt auf einer Anhöhe etwa ein Kilometer ausserhalb der Stadt. Wir wandern den steilen Fussweg herab und schauen uns im 800-Seelen-Städtchen um. Es hat sehr viele Leute. Einerseits ist es der letzte Tag der Schulferien, welche in Neuseeland von Weihnachten bis circa Ende Januar dauern, und andererseits befinden sich zwei grosse Kreuzfahrtschiffe vor der Küste, von welchen die Passagiere an Land gegangen sind. Für morgen wollen wir eine Bootsfahrt buchen. Wir sind der Meinung, dass diese, über Internet gebucht, etwa 50 NZ$ kostet, bei den Anbietern hier aber 69 pro Person. Da wir jedoch den Voucher nicht ausdrucken können und wir nicht sicher sind, ob wir diesen auf dem iPhone empfangen könnten, ist dies ein riskantes Unterfangen. So wollen wir die Sache nochmals überdenken und kehren auf den Campingplatz zurück, um unser erstes Abendessen in unserer Auto-Küche zu kochen. Dieses misslingt aber mehr oder weniger. Der Kartoffelstock ist gummig, die Bratensauce viel zu wässrig, und meine vegetarischen Würstli schmecken komisch. Nur Danis Fleisch und der Salat mit der Fertig-Sauce aus der Flasche schmecken gut. Danach gehen wir nochmals ins Städtchen auf der Suche nach einem Internet-Café. Vor der Bibliothek haben wir WiFi. Wir checken nochmals das Angebot der Bootstour und sehen, dass wir uns geirrt haben. Der Preis ist in Australischen Dollars angegeben – und das auf einer NZ.com-Seite! So werden wir morgen schauen müssen, ob wir noch einen Platz finden. Zurück auf dem Camping, geniessen wir noch einen Tee unter dem Sternenhimmel, bevor wir in unser Bett steigen. Es wird die erste Nacht in unserem Camper sein.

Delfine, Pinguine, Robben und Co.

Die erste Nacht im Camper haben wir gut überstanden. Es ist auf jeden Fall schon Viertel nach acht, als wir erwachen. Unser “normales Camper-Frühstück” besteht aus einem Glas Orangensaft, einem Müesli und einem Tee, respektive Kaffee. Dann spazieren wir ins Städtchen, gehen gleich ins Visitors Centre von Akarola und haben Glück. Für die Bootsfahrt von elf Uhr hat es noch freie Plätze. Eine halbe Stunde später gehen wir an Bord der Black Cat und starten unsere Harbour Cruise. Es hat nicht viele Leute, weshalb wir uns gut auf dem Schiff bewegen können. Der Captain gibt uns viele interessante Informationen zur umliegenden Landschaft und zu den Tieren. Kaum sind wir aus dem Hafen gefahren, sehen wir auch schon die ersten Delfine. Es sind Hector’s Dolphins. Diese gehören mit nur 1.2 Metern zu den kleinsten Delfinen der Welt und kommen nur in Neuseeland vor. Zudem gehören sie zu den seltensten mit nur noch etwa 7000 Tieren. Sie schwimmen neben und vor dem Boot, und wir können sie gut beobachten. Dann schaut ein kleiner Kopf aus dem Wasser. Es ist ein Pinguin, genau genommen ein White Flippered Blue Penguin. Auch diese Art gehört zu den kleinsten und seltensten der Welt. Sehr viele Wasservögel wie verschiedene Seemöwen und Schwalben sind unterwegs. Auf den Felsen stehen Kormorane und haben ihre Flügel zum Trocknen ausgebreitet. Die ganzen Felsen sind vor sehr langer Zeit durch vulkanische Aktivitäten entstanden. Später sehen wir, wie sich etwas im Meer tummelt und dann mühsam auf die Felsen klettert. Es sind neuseeländische Seerobben. Diese Fur Seals wurden im 19. Jahrhundert wegen ihres Felles zu Tausenden niedergemetzelt und nahezu ausgerottet. Auf der Rückfahrt kommen wir in der Lucas Bucht an einer Lachsfarm vorbei. Hier wird Lachs gezüchtet und an den heimischen und internationalen Märkten verkauft. Und plötzlich färbt sich das so schön türkis- und dunkelblau aussehende Meer zum Teil rot. Es sind Krills, kleine Krebschen, eine Art Krevetten. Auch die Seemöwen haben sie entdeckt und schlagen sich die Bäuche voll mit ihnen. Nach fast zwei Stunden sind wir zurück an Land. Diese Tour hat sich mehr als gelohnt. All diese Tiere und die wunderschöne Landschaft zu sehen, war ein Erlebnis. Wir gehen zurück auf den Campingplatz und machen eine Mittagspause. Ich brauche vor allem einen heissen Tee. Der Wind auf dem Meer war sehr stark, und ich bin ganz durchfroren. Danach starten wir unsere Sightseeing-Tour durch Arkaroa und besuchen viele historisch wertvolle Gebäude und Plätze dieses französisch geprägten Ortes. Die Franzosen versuchten Neuseeland von Akaroa aus im Jahre 1840 zu besiedeln, waren jedoch nicht erfolgreich, da die Briten kurz vor der Ankunft der Franzosen die Souveränität über Neuseeland erklärt hatten. Die Siedler entschieden sich, hier zu bleiben, und noch heute ist der französische Einfluss spürbar, wie zum Beispiel in Strassennamen. Heutzutage sind die Haupteinnahmequellen des Ortes vor allem die Fischerei, die Landwirtschaft und der Tourismus. Als letztes besuchen wir den alten Leuchtturm. Dieser stammt aus dem Jahre 1879 und wurde ursprünglich am Eingang des Hafens errichtet. 1980 wurde er an seinen heutigen Ort umplatziert. Ich liebe diese Lighthouses und kann nicht genug von ihnen sehen! Wahrscheinlich war ich in einem früheren Leben ein Leuchtturmwärter, irgendwo an einem einsamen Ort und den Launen der Natur ausgesetzt. Den Rest des Nachmittags und den Abend verbringen wir in unserem Camper. Es ist empfindlich kühl geworden. Morgen soll es regnen. Wir hoffen es zwar nicht, aber die dunklen Wolken verheissen nichts Gutes. Unser Nachtessen, ein Eintopf aus Kartoffeln, Broccoli und Rüebli, schmeckt ganz gut.